2019

Schriftenreihe der Historischen Kommission bei der Bayerischen Akademie der Wissenschaften. Band 103: Christina Schwartz: Tradition mit Innovation. Die Rektoratsreden an den deutschen Universitäten und Technischen Hochschulen der Nachkriegszeit 1945-1950. Vandenhoeck & Ruprecht, Göttingen 2019. Geb. 408 Seiten, mit 7 Diagrammen und 9 Tabellen, EUR 59,99 ISBN 978-3-525-31082-3

Bald nach Ende des Zweiten Weltkriegs nehmen die deutschen Hochschulen Zug um Zug wieder ihren Betrieb auf. Damit einher geht ein Prozess der Selbstanalyse und Restrukturierung, den die Hochschulen öffentlich betreiben und der sich u.a. in den Reden ihrer Rektoren dokumentiert. Aus einer starken Krisenwahrnehmung der Gegenwart heraus blicken die Rektoren in Vergangenheit und Zukunft. Die Rolle von Hochschule und Wissenschaft innerhalb der Gesellschaft liegt dabei jeweils im Fokus ihres Interesses. So diskutieren sie sowohl die Gründe, weshalb es zu einer Erscheinung wie dem Nationalsozialismus überhaupt kommen konnte und welchen Anteil die Hochschule daran hatte, wie auch die Vorstellungen, wie das Deutschland der Zukunft aussehen soll und welche Rolle der Hochschule darin zufallen solle.

Der gesamte Diskurs hat zugleich einen stark legitimatorischen Charakter. In der Situation materieller Knappheit hat die Hochschule als Einrichtung, deren produktiver Ausstoß nicht direkt sichtbar ist, um ihren Platz zu kämpfen. Sie tut das ausgesprochen offensiv, indem sie ihre Beziehung zu der sie umgebenden Bevölkerung nicht nur in Worten betont, sondern auch mit dem Abhalten offener Veranstaltungsreihen, der Ansprache neuer Zielgruppen etc. demonstriert. Eines der Hauptargumente dabei ist immer wieder die Wichtigkeit der Wissenschaft für den Fortschritt der Menschheit. Damit ist der Anspruch der Hochschule formuliert: Sie fordert nichts weniger als die führende Rolle innerhalb der Gesellschaft, zu deren Wohl sie zu wirken verspricht.

Leseprobe

Schriftenreihe der Historischen Kommission bei der Bayerischen Akademie der Wissenschaften. Band 102: Manuel Limbach: Bürger gegen Hitler. Vorgeschichte, Aufbau und Wirken des bayerischen "Sperr-Kreises", Vandenhoeck & Ruprecht, Göttingen 2019. Geb. 577 Seiten, mit 6 Grafiken, EUR 64,99 ISBN 978-3-525-31071-7

Der »Sperr-Kreis« war ein bürgerlicher Widerstandskreis gegen den Nationalsozialismus in Bayern. In der Widerstandsforschung wurde er bisher nur am Rande behandelt. Die Untersuchung der Ursprünge, Motive und Ziele der Gruppe erfolgt auf umfassender Quellengrundlage. Eine Mischung aus individual- und kollektivbiographischem Zugang macht die Gemeinsamkeiten und Unterschiede der etwa 66 Mitglieder der Widerstandsgruppe deutlich. Das Ziel des Widerstandskreises war der Aufbau einer »Auffangorganisation« für die Zeit nach dem Untergang des »Dritten Reiches« in Bayern. Seine Führungsriege – der ehemalige Bayerische Gesandte in Berlin, Franz Sperr, sowie die früheren Weimarer Reichsminister Otto Geßler und Eduard Hamm – stand früh mit dem bayerischen Kronprinzen Rupprecht in Verbindung, der im Falle des Zusammenbruchs als Integrationsfigur an die Spitze Bayerns treten sollte. Zur Wiederherstellung von Sicherheit und Ordnung trat man mit geeigneten Persönlichkeiten aus Militär, Polizei, Justiz, Verwaltung und Wirtschaft in Kontakt. Im Verlauf des Krieges nahm der Kreis mit dem westlichen Ausland sowie mit anderen Widerstandsgruppen Fühlung auf. So geriet er in das Fahrwasser des gescheiterten Attentats vom 20. Juli 1944, in dessen Folge seine führenden Köpfe verhaftet wurden. Sperr wurde hingerichtet, Hamm verlor sein Leben im Gefängnis. Doch sollte ein Großteil der ehemaligen Mitglieder der Gruppe den Krieg überleben und sich am Wiederaufbau und der Rückkehr zum Rechtsstaat beteiligen.

Leseprobe

FAZ 10.7.2019 (Wolfgang Hardtwig)

 

Deutsche Geschichtsquellen des 19. und 20. Jahrhunderts Band 75: Werner Sombart. Briefe eines Intellektuellen 1886-1937. Herausgegeben von Thomas Kroll, Friedrich Lenger und Michael Schellenberger.  Duncker & Humblot, Berlin 2019, 580 Seiten, geb. EUR 99,90, ISBN 978-3-428-15541-5

Die Edition von ausgewählten Briefen des Nationalökonomen und Soziologen Werner Sombart (1863–1941) bietet Einblicke in das Denken und in die Lebenswelt eines bedeutenden Intellektuellen, der im Kaiserreich und in der Weimarer Republik mit seinen wissenschaftlichen Werken und seinem politischen Engagement großes Aufsehen erregte. In jungen Jahren setzte sich Sombart mit dem Marxismus auseinander, legte eine wegweisende Analyse der Entwicklung des Kapitalismus vor und plädierte für eine Kooperation bürgerlicher Sozialreformer mit Sozialdemokraten. Die Briefe dokumentieren ferner eine bürgerliche Lebensführung, die auch die Arbeitsweise Sombarts prägte. Im frühen 20. Jahrhundert übernahm er kulturkritische, nationalistische Positionen und baute seinen Ruf als führender Nationalökonom aus. Die Briefedition erschließt nicht zuletzt auch die Welt des älteren Gelehrten der 1920er und 1930er Jahre, als der Ruhm Sombarts verblasste und er sich rechtskonservativen Strömungen annäherte und den Nationalsozialismus zunächst unterstützte.

Rezension:

Frankfurter Allgemeine Zeitung 31.05.2019 (Allexander Gallus)

H/Soz/Kult (Gangolf Hübinger 12.7.2019)