Neuerscheinungen 2016

2016

Die Protokolle des Bayerischen Ministerrats 1945–1954. Das Kabinett Ehard III 18. Dezember 1950 bis 14. Dezember 1954. Bd. 2: 1952. Bearbeitet von Oliver Braun, Berlin/Boston 2016, 1054 Seiten, geb. EUR 169,95, ISBN 978-3-11-035003-6

In insgesamt 57 Sitzungen tagte im Jahre 1952 das Kabinett Ehard III im
zweiten Jahr der Großen Koalition aus CSU, SPD und BHE, die durch den
Rücktritt des Justizministers Josef Müller im Zuge der Auerbach-Affäre ihre
erste personalpolitische Krise zu bewältigen hatte. Trotz einer signifikanten quantitativen Ausweitung der Gesetzgebungstätigkeit des Bundes war das Jahr 1952 arm an großen Themen der Bundespolitik. Nur der harte Konflikt um die Verteilung der Einkommen- und Körperschaftsteuer zwischen Bund und Ländern war eine der wenigen kontroversen bundespolitischen Kernfragen. In der Landespolitik rückten wirtschaftspolitische Themen sichtbar in den Vordergrund: die Förderung der Autobauer BMW und Audi etwa, der staatliche Einfluss auf Unternehmen der bayerischen Schwerindustrie oder Fragen der Energie- und Verkehrspolitik. Oftmals wiederkehrender Tagesordnungspunkt war weiterhin die endgültige Verteilung der Vertriebenen sowohl innerhalb Bayerns als auch zwischen den Bundesländern, ein Vorhaben, das durch die verstärkte Fluchtbewegung aus der DDR noch verschärft wurde.
Die landespolitische Agenda des Jahres 1952 war stark von ordnungspolitischen Initiativen des Staatsministeriums des Innern geprägt: Aus dem Hause des Innenministers und stellvertretenden Ministerpräsidenten Wilhelm Hoegner kamen Gesetzentwürfe betreffend die Errichtung von Jugendzeltlagern, zur Bekämpfung der Prostitution oder des sog. Landfahrer- und Arbeitsscheuenunwesens, aber auch ein Gesetzentwurf zur Bekämpfung des politischen Extremismus von links und rechts oder das bayerische
Polizeiorganisationsgesetz.

Historische Zeitschrift Band 307 (2018) S. 600f. (Henning Türk)

 

Neue Deutsche Biographie, hrsg. von der Historischen Kommission bei der Bayerischen Akademie der Wissenschaften durch Maximilian Lanzinner und Hans-Christof Kraus, redigiert von Bernhard Ebneth, Stefan Jordan, Claus Priesner, Maria Schimke, Regine Sonntag und Susan Splinter,
Band 26: Tecklenborg - Vocke. 2016. XXVIII und 852 S.
Ln. EUR 159,90 ISBN 978-3-428-11207-4 

 

Deutsche Geschichtsquellen des 19. und 20. Jahrhunderts Band 72: Der König und sein Beichtvater. Friedrich Wilhelm IV. und Carl Wilhelm Saegert. Briefwechsel 1848 bis 1856. Herausgegeben und bearbeitet von Winfried Baumgart. Redaktion Mathias Friedel, Duncker & Humblot, Berlin 2016, 490 Seiten, geb. EUR 99,90 ISBN 978-3-428-15044-1

In den Wirren der Revolution von 1848 hat der wankende preußische König Friedrich Wilhelm IV. Halt an einem Menschen gefunden, der ihn über sieben Jahre in allen innen- und außenpolitischen Fragen beriet und lenkte: Carl Wilhelm Saegert, Leiter der Taubstummenanstalt in Berlin und seit 1853 Inspektor des preußischen Taubstummenwesens. Als sich die Verhältnisse in Berlin nach der Revolution konsolidierten, war es für Saegert unmöglich, wegen seiner fehlenden Ausbildung und seiner bürgerlichen Herkunft in der Führungshierarchie anerkannt zu werden. Der König verließ sich aber weiterhin auf ihn nahezu blindlings, und Saegert mußte die undankbare Rolle des geheimen Beraters spielen, der nur durch die Bediententür Zugang zum König fand. – Die Edition bringt eine Auswahl der politisch relevanten Teile der Korrespondenz für die Jahre 1848–1856. Die Korrespondenz wird ergänzt durch das ungekürzte Tagebuch Saegerts für die Revolutionsmonate März bis November 1848.

 

Leopold von Ranke. Briefwechsel. Historisch-kritische Ausgabe. Band 1: 1810-1825. Neu bearbeitet von Dietmar Grypa. Herausgegeben von der Historischen Kommission bei der Bayerischen Akademie der Wissenschaften durch Gerrit Walther. Boston/Berlin 2016, 892 S., ISBN 978-3-486-59005-0, 129,95 €

Leopold von Ranke führte einen nach ganz Europa und Nordamerika ausgreifenden Gelehrtenbriefwechsel. Dessen Gesamtausgabe wird alle erhaltenen Briefe von ihm und an ihn im Wortlaut wiedergeben. Der vorliegende Band bietet die Korrespondenz aus Rankes Schul- und Studienzeit sowie aus seinen Jahren als Lehrer in Frankfurt/Oder, die mit dem Erscheinen seiner Erstlingswerke „Geschichten der romanischen und germanischen Völker 1494 bis 1535“ und „Zur Kritik neuerer Geschichtsschreiber“ (1824) sowie seiner Berufung auf eine außerordentliche Geschichtsprofessur nach Berlin endeten. Dabei macht die von Dietmar Grypa neu erarbeitete Kommentierung erstmals das weitgespannte gelehrt-politische Netzwerk sichtbar, das Rankes raschen Aufstieg ermöglichte. Entgegen seinen späteren Selbststilisierungen reichte es von radikalen Anhängern der Turnerbewegung bis in hohe Berliner Regierungskreise.

Inhaltsverzeichnis

H/Soz/Kult (Dominik Juhnke 15.12.2016)

Historische Zeitschrift Band 305 (2017) S. 240-243 (Winfried Baumgart)

 

Schriftenreihe der Historischen Kommission bei der Bayerischen Akademie der Wissenschaften. Band 90: Barbara Schneider: Erich Maschke. Im Beziehungsgeflecht von Politik und Geschichtswissenschaft. Vandenhoeck & Ruprecht, Göttingen 2016. 391 Seiten, geb. EUR 70,00 ISBN 978-3-525-36080-4

Das Leben und Werk des Historikers Erich Maschke (1900–1982) ist durch die Kriege und Krisen, Wandlungen und Brüche Deutschlands im 20. Jahrhundert geprägt. Maschke war »Ostforscher« und Historiker für den Nationalsozialismus in Königsberg, Jena und Leipzig. Nach der Rückkehr aus einer langen Kriegsgefangenschaft in der Sowjetunion wurde er in Heidelberg zu einem Pionier der Sozialgeschichte der mittelalterlichen Stadt. Barbara Schneider untersucht, inwieweit sich das Verhältnis von Geschichtswissenschaft und Politik als eine Konstante durch Maschkes Werk und Wirken hindurchzieht. Sie beschreibt dabei einen in der deutschen Geschichtswissenschaft seltenen fachlichen und beruflichen Neubeginn.

Inhaltsverzeichnis und Leseprobe:

H/Soz/Kult (Andreas Hilger/05.08.2016)

Frankfurter Allgemeine Zeitung 28.3.2017 (Christoph Kleßmann)

Das Historisch Politische Buch 6 (2016) S. 583f. (Hans-Christof Kraus)

Historische Zeitschrift Band 305 (2017) S. 256f. (Dieter Langewiesche)

 

Schriftenreihe der Historischen Kommission bei der Bayerischen Akademie der Wissenschaften. Band 96: Georg Eckert: Zeitgeist auf Ordnungssuche. Die Begründung des Königreiches Württemberg 1797-1819. Vandenhoeck & Ruprecht, Göttingen 2016. 528 Seiten, geb. EUR 90,00 ISBN 978-3-525-36087-3

Württemberg war ein Musterbeispiel von Reformpolitik zwischen Französischer Revolution und Wiener Kongress – kein Sonderfall. Seit dem Landtag der Jahre 1797 bis 1799 entbrannten heftige Debatten um die Umgestaltung des württembergischen Staates. Weit über die massiven Gebietszuwächse der napoleonischen Zeit und die damit verbundenen Integrationsmaßnahmen hinaus hielten solche Debatten und wechselvolle politische Auseinandersetzungen an, in denen sich Reformer und Traditionalisten nur scheinbar gegenüberstanden. Homogen, gar festgefügt waren weder Loyalitäten noch politische Ideen, weder bei den erst herzoglichen, dann königlichen Beamten noch bei den zwischen 1806 und 1815 suspendierten Ständen. Der langwierige Verfassungsstreit der Jahre 1815 bis 1819, Teil der Frühgeschichte des deutschen Konstitutionalismus, betraf auch und gerade das Pathos der Modernisierer: Ständevertreter, die eine Restitution des Ancien Régime befürworteten, konnten sich ebenso wenig durchsetzen wie radikale Verfechter einer Herrschaft von Spezialisten, zu denen etwa Friedrich List gehörte – unter Moderation der ersten beiden württembergischen Könige, die sich Forderungen nach Expertokratie ebenso zunutze zu machen verstanden wie ehrgeizige Beamte und solche, die ihre Interessen längst nicht mehr bei der Landschaft gewahrt sahen. Überhaupt trieb das theoretische Pathos der Reformer die praktischen Reformen zwar vor sich her, passte seinen Anspruch aber einer Wirklichkeit voller tagtäglicher administrativer Unwägbarkeiten an.

Inhaltsverzeichnis und Leseprobe

Historische Zeitschrift Band 304 (2017) S. 240 f. (Axel Gotthard)

Zeitschrift für Neuere Rechtsgeschichte 38 (2016) S. 306ff. (Marc von Knorring)

 

 

Quellen zur Geschichte des Deutschen Bundes. Abteilung I: Quellen zur Geschichte des Deutschen Bundes 1813-1830. Band 2: Organisation und innere Ausgestaltung des Deutschen Bundes 1815-1819. Für die Historische Kommission bei der Bayerischen Akademie der Wissenschaften herausgegeben von Lothar Gall. Bearbeitet von Eckhardt Treichel. Berlin: Walter de Gruyter 2016, CLIX und 1148 S., EUR 229,00 ISBN 978-3-486-56702-1

 

Der Band bietet mit der Erschließung umfangreichen, vielfach unbekannten Quellenmaterials die Grundlage für eine umfassende und differenzierte Analyse der Anfangsjahre des Deutschen Bundes (1815-1819). Im Zentrum steht die Tätigkeit der Deutschen Bundesversammlung in Frankfurt. Dokumentiert werden die Phase bis deren Eröffnung, die Organisation und Arbeitsweise der Deutschen Bundesversammlung sowie anhand von fünf zentralen Themenfeldern (Austrägalwesen des Deutschen Bundes, Einführung landständischer Verfassungen in den Bundesstaaten, Initiativen zur wirtschaftlichen Integration, Pressefreiheit und Büchernachdruck, Auswanderungsfreiheit und Nachsteuerfreiheit) die Bemühungen des Bundestags um eine organische Fortbildung und innere Ausgestaltung des Deutschen Bundes.

In 212 Dokumenten entsteht das Bild einer "kurzen, aber intensiv genutzten" (Reinhard Stauber) ersten Phase der Bundesgeschichte, in der eine behutsame Weiterentwicklung und Integration des Deutschen Bundes angestrebt wurde, bevor mit der vor allem von Österreich und Preußen betriebenen restaurativen Wende von 1819/20 der Bund zur "konservativen Entwicklungsblockade" (Dieter Langewiesche) umgestaltet wurde.

 

Deutsche Reichstagsakten. Reichsversammlungen 1556-1662: Der Kurfürstentag zu Regensburg 1575. Bearbeitet von Christiane Neerfeld, Walter de Gruyter, Berlin. 2016. 423 S., Ln. geb. EUR 139,95 ISBN 978-3-11-043853-6

Auf dem Kurfürstentag, der im Herbst 1575 in Regensburg stattfand, wurde Rudolf, der Sohn Kaiser Maximilians II., zum römisch-deutschen König gewählt und gekrönt. Nach kontroversen Debatten über die von protestantischer Seite geforderte Bestätigung der Declaratio Ferdinandea von 1555, an der die Verhandlungen über die Wahlkapitulation zwischenzeitlich zu scheitern drohten, überwog am Ende das reichspolitische Verantwortungsbewusstsein der Kurfürsten, die mit der Königswahl vivente imperatore ein drohendes Interregnum verhinderten und ihr Engagement für die Erhaltung der politischen Stabilität im Reich zum Ausdruck brachten. Daneben war der Regensburger Kurfürstentag mehr als eine reine Wahlversammlung, denn nach den Wahlverhandlungen berieten die Kurfürsten auch über aktuelle reichspolitische Themen mit innen- und außenpolitischer Bedeutung.

Die Edition der einschlägigen Akten des Kurfürstentags, die neben dem Kurfürstenratsprotokoll und den zentralen Verhandlungsakten auch das Wahl- und Krönungszeremoniell dokumentiert, vermittelt ein umfassendes Gesamtbild dieser Reichsversammlung und bietet eine zuverlässige Grundlage für weitere Forschungen.

sehepunkte (Axel Gotthard/15.4.2016)