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Geschichte und Aufgaben der Historischen Kommission bei der Bayerischen Akademie der Wissenschaften
Die Historische Kommission bei der Bayerischen Akademie der Wissenschaften wurde 1858 vom bayerischen König Maximilian II. auf Anregung Leopold von Rankes gegründet, um der Erforschung der deutschen Geschichte neue Impulse zu geben. Seit nunmehr 150 Jahren leistet die Kommission, deren Auftrag nach ihrem Gründungsstatut in der „Veröffentlichung von Quellen und Darstellungen zur deutschen Geschichte“ liegt, einen wesentlichen Beitrag zur historischen Grundlagenforschung.
Ihre Mitglieder sind führende Historiker aus Deutschland, Österreich und der Schweiz. Jährlich beraten und beschließen sie über das Arbeitsprogramm der Historischen Kommission.
Die Forschungs- und Editionsvorhaben der Historischen Kommission erstrecken sich vom Mittelalter bis zur Zeitgeschichte und beziehen die politische, wirtschaftliche und soziale Geschichte ebenso wie die Kultur- und Wissenschaftsgeschichte ein. Sie berücksichtigen in vielfältiger Weise europäische Bezüge.
Forschungsschwerpunkte sind zur Zeit:
– Edition der „Deutschen Reichstagsakten“ vom Spätmittelalter bis zum Beginn des Immerwährenden Reichstags 1663 zur Erforschung des Heiligen Römischen Reiches Deutscher Nation,
– Aufbau einer prosopographischen Datenbank zur Gelehrtengeschichte im späten Mittelalter („Repertorium Academicum Germanicum“),
– Herausgabe der Wittelsbacher Korrespondenzen in der Zeit des Dreißigjährigen Krieges als Beitrag zur europäischen Geschichte,
– Forschungen zur politischen und sozialen Geschichte Deutschlands im 19. Jahrhundert, insbesondere zu den Reformbestrebungen an seinem Beginn in Bayern (Staatsratsprotokolle der Montgelas-Zeit, F1799–1817) und im Rheinbund sowie zum Deutschen Bund (1815–1866),
– Erfassung und Analyse deutscher und ostmitteleuropäischer Europa-Pläne des 19. und 20. Jahrhunderts,
– Editionen zur Zeitgeschichte, vor allem mit der Herausgabe der „Akten der Reichskanzlei, Regierung Hitler (1933–1945)“ bis zum Ende des Zweiten Weltkrieges (für die Weimarer Republik ist die Edition abgeschlossen: Akten der Reichskanzlei. Weimarer Republik, 23 Bände) und der „Protokolle des Bayerischen Ministerrats (1945–1954)“ sowie
– Herausgabe der Neuen Deutschen Biographie (NDB) als zentrales biographisches Lexikon zur Geschichte des deutschen Kulturraumes, das alle Bereiche des öffentlichen Lebens – Politik und Staat, Wirtschaft und Gesellschaft, Kirche, Wissenschaft und Kunst – von den Anfängen bis zur Gegenwart berücksichtigt.
Die Historische Kommission fördert bei ihren Forschungsvorhaben und durch die Veröffentlichung hervorragender Arbeiten (vornehmlich Dissertationen und Habilitationsschriften) zur deutschen Geschichte in der Schriftenreihe der Historischen Kommission gezielt den wissenschaftlichen Nachwuchs.
In über 650 Publikationen, häufig Standardwerken, hat die Kommission bisher die Ergebnisse ihrer Forschungsarbeiten der Wissenschaft zugänglich gemacht.
Organisatorisch und finanziell ist die Historische Kommission in ihrem Status unabhängig, jedoch durch satzungsmäßig festgelegte Regelungen mit der Bayerischen Akademie der Wissenschaften verknüpft. Die Kommission wird in ihrer Grundfinanzierung vom Freistaat Bayern getragen; zuständig ist das Bayerische Staatsministerium für Wissenschaft, Forschung und Kunst. Gefördert wird die Historische Kommission über das Akademienprogramm auch von Bund und Ländern. Für einzelne Projekte erhält sie von der Deutschen Forschungsgemeinschaft Sach- und Druckbeihilfen, ferner Zuwendungen von der Bayerischen Landesstiftung, der Fritz Thyssen Stiftung, der Gerda Henkel Stiftung und der Volkswagen Stiftung.
Zur Zeit sind rund 80 Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter für die Kommission tätig, etwa je zur Hälfte Angestellte und freie Mitarbeiter, letztere zumeist Hochschullehrer.
Literatur:
Lothar Gall (Hrsg.), »... für deutsche Geschichts- und Quellenforschung«. 150 Jahre Historische Kommission bei der Bayerischen Akademie der Wissenschaften. München: Oldenbourg Wissenschaftsverlag 2008. 384 S., Ln. EUR 49,80, ISBN 978-3-486-58286-4
Helmut Neuhaus, 150 Jahre Historische Kommission bei der Bayerischen Akademie der Wissenschaften. Eine Chronik. München: Historische Kommission 2008. 200 S., Edelbroschur, Schutzgebühr EUR 10,00, ISBN 978-3-929691-12-2. Die Chronik kann über die Geschäftsstelle der Historischen Kommission zum Preis von EUR 10,00 bezogen werden.
Die Historische Kommission bei der Bayerischen Akademie der Wissenschaften. München 1995, 25 S.
Historische Kommission bei der Bayerischen Akademie der Wissenschaften 1858–1983. München 1984, 152 S. mit Abbildungen
Die Historische Kommission bei der Bayerischen Akademie der Wissenschaften 1858–1958. Göttingen 1958, 266 S.
| Letzte Aktualisierung: 07.04.2011 | Zurück zum Seitenanfang |